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Wildfond selbst gemacht: So gelingt die aromatische Basis für jede Wildsoße

Lukas Fuchs vor 3 Wochen Zutaten für Lebensmittel 3 Min. Lesezeit

Ein kräftiger Wildfond ist die Geheimwaffe für dunkle Soßen, Suppen und Schmorgerichte mit Wild. In diesem Artikel erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie aus Reh-, Hirsch- oder Wildschweinknochen einen intensiven Wildfond herstellen, lagern und vielseitig verwenden – inklusive Profi-Tipps für Röstaromen, Würze und Haltbarkeit.

Ein guter Wildfond ist mehr als nur Brühe: Er bringt Tiefe, Farbe und komplexe Aromen in jede Wildsoße, Risotto oder Suppe. Anders als helle Fleischfonds erlaubt Wildfond kräftigere Röstnoten und eine längere Reduktion, die das volle Potenzial von Wildknochen und -abschnitten entfaltet. Unten finden Sie ein praktisches Rezept, Techniken aus der Profiküche sowie Variationen und Lagerungstipps.

Warum Wildfond? Was macht ihn besonders?

Der Geschmack von Wildfond entsteht durch geröstete Knochen, Röstaromen vom Braten von Fleischabschnitten, konzentrierte Gelatine und aromatisches Suppengemüse (Mirepoix). Wildknochen liefern intensivere, dunklere Aromen als das übliche Rind- oder Kalbfond, weshalb Wildfond die Basis für klassische dunkle Wildsaucen ist.

Zutaten für ca. 2–3 Liter Wildfond

  • 2–3 kg Wildknochen und -abschnitte (Reh, Hirsch, Wildschwein; mit etwas Fleisch an den Knochen für mehr Geschmack)
  • 2 Zwiebeln, halbiert (mit Schale für mehr Farbe)
  • 2 Karotten, grob geschnitten
  • 1/2 Knollensellerie, grob geschnitten
  • 2–3 EL Tomatenmark
  • 1–2 EL Öl (z. B. Sonnenblumen- oder Rapsöl) zum Anrösten
  • 100–200 ml Rotwein (optional, zum Ablöschen)
  • 1–2 Lorbeerblätter, 4–5 Pfefferkörner, 2 Nelken, 2 Zweige Thymian, 2–3 Wacholderbeeren (Bouquet garni)
  • kaltes Wasser zum Bedecken (ca. 3–4 l)
  • Salz erst zum Schluss, zum Abschmecken

Schritt-für-Schritt: Klassisches Rezept für Wildfond

  1. Vorbereitung: Backofen auf 200 °C vorheizen. Die Knochen und Fleischabschnitte auf ein tiefes Backblech legen.
  2. Anrösten: Knochen und Abschnitte etwa 30–45 Minuten rösten, bis sie dunkelbraun sind. Je dunkler die Röstung, desto intensiver der Fond. Gelegentlich wenden, damit nichts verbrennt.
  3. Gemüse rösten: In den letzten 15 Minuten die Zwiebeln (mit Schnittfläche nach unten), Karotten und Sellerie mitrösten. Das Gemüse darf gut bräunen – das sorgt für Tiefe.
  4. Deglacieren: Knochen in einen großen Topf geben, mit etwas Rotwein und 200–300 ml Wasser das Backblech ablöschen und die Röstaromen in den Topf schaben.
  5. Aufsetzen: Knochen und Gemüse mit kaltem Wasser bedecken. Langsam zum Sieden bringen. Sobald es kocht, die Temperatur reduzieren und nur noch leicht simmern lassen.
  6. Abschäumen: Während der ersten 30–60 Minuten entsteht Schaum; diesen regelmäßig abschöpfen, damit der Fond klarer wird.
  7. Würzen und langsam ziehen: Tomatenmark anrösten und hinzufügen, Bouquet garni zugeben. Mindestens 4–6 Stunden leicht köcheln lassen; bis zu 12 Stunden für noch mehr Extrakt ist möglich (im Topf oder im Schnellkochtopf 2–3 Stunden).
  8. Abseihen und reduzieren: Fond durch ein feines Sieb oder Mulltuch gießen. Wer eine konzentriertere Basis will, den Fond auf die gewünschte Intensität einkochen lassen. Salz erst am Ende zugeben.
  9. Gelieren prüfen: Nach dem Abkühlen sollte der Fond durch die enthaltene Gelatine leicht gelieren – ein Zeichen für gute Extraktion.

Tipps vom Profi

  • Für einen besonders klaren Fond können Sie die Knochen vorher blanchieren (kurz kochen und Wasser wegschütten) – das entfernt Blutreste. Viele Profis verzichten jedoch, weil Rösten mehr Geschmack bringt.
  • Salz früh hinzuzufügen reduziert die Gelierung; daher erst abschmecken, wenn der Fond reduziert ist.
  • Tomatenmark karamellisiert Aromen und gibt Farbe – kurz mitrösten.
  • Im Schnellkochtopf lässt sich Zeit sparen, jedoch sind Röstaromen im Ofen nötig, um Tiefe zu erzeugen.
  • Reste wie Wildrippen, Hals und Sekundärstücke sind ideal – fragen Sie beim Metzger oder Ihrer Jagd nach Abschnitten.

Variationen

  • Wildfond mit Pilzen: Einige getrocknete Steinpilze mitkochen für erdige Noten.
  • Würziger Wildfond: Mit Wacholderbeeren und einer Prise Zimt oder Muskat verfeinern.
  • Vegetarische Alternative: Hefeextrakt, geröstetes Gemüse und Sojasauce können eine pflanzliche „Wald“-Basis erzielen, aber das Ergebnis unterscheidet sich geschmacklich vom echten Wildfond.

Haltbarkeit & Lagerung

Wildfond sollte nach dem Abkühlen zügig in flache Behälter gefüllt und im Kühlschrank innerhalb von 3–4 Tagen verbraucht werden. Für längere Lagerung portionsweise einfrieren (bis zu 3 Monate) – gefroren ist er haltbar und nimmt beim Auftauen kaum Raum ein. Einmal aufgetaut nicht wieder einfrieren.

Verwendung: Wozu passt Wildfond?

Wildfond ist die Basis für:

  • Dunkle Wildsoßen (z. B. zu Rehkeule, Hirschragout)
  • Suppen und Consommés
  • Risotto mit Wildgeschmack
  • Schmorgerichte und Jus

Beim Verfeinern von Saucen passt ein kräftiger Rotwein mit Beerenaromen (z. B. Spätburgunder, Cabernet) besonders gut; Wacholder und Preiselbeeren ergänzen traditionelle Wildaromen.

Häufige Fehler und Problemlösungen

  • Fond schmeckt flach: Zu wenig Knochen/Menge oder zu kurze Kochzeit. Mehr Knochen und längeres Reduzieren hilft.
  • Nicht klar: Unzureichendes Abschäumen oder zu starkes Kochen. Niedrig ziehen lassen und abschöpfen.
  • Zu salzig: Mit Wasser oder ungesalzener Brühe strecken oder Sahne/Butter in der Sauce hinzufügen.

Weiterführende Quellen und Inspiration

Mehr Rezepte und Varianten finden Sie zum Beispiel beim Deutschen Jagdverband, klassischen Rezepten auf Chefkoch oder praktischen Schritt-für-Schritt-Anleitungen wie bei Schloß Eichicht.

Mit diesen Grundlagen gelingt Ihnen ein intensiver, aromatischer Wildfond, der jede Wildspeise auf ein neues geschmackliches Niveau hebt. Probieren Sie verschiedene Knochenmixe und Kochzeiten, bis Sie Ihren persönlichen perfekten Wildfond gefunden haben.

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