Olivenöl ungefiltert: Geschmack, Gesundheit und wie Sie das richtige naturtrübe Öl wählen
Ungefiltertes Olivenöl liegt im Trend — naturtrüb, intensiv im Geschmack und oft als besonders frisch beworben. Dieser Ratgeber erklärt, was „olivenöl ungefiltert“ bedeutet, welche Vor- und Nachteile es hat, wie Sie es richtig lagern und worauf Sie beim Kauf achten sollten.
Was bedeutet „olivenöl ungefiltert“?
Der Begriff „olivenöl ungefiltert“ (auch „naturtrüb“) bezeichnet Olivenöl, das nach der Pressung nicht oder nur minimal gefiltert wurde. In der Flasche können noch winzige Schwebstoffe, Fruchtpartikel und eventuell Wassertröpfchen enthalten sein. Diese Partikel verursachen die charakteristische Trübung und oft eine intensivere Farbe – von grün bis goldgrün.
Warum wird Öl ungefiltert gelassen?
- Frische und Aroma: Ungefiltertes Öl wird häufig direkt nach der Ernte abgefüllt. Die Schwebstoffe tragen oft zu einem kräftigeren, frischeren Aroma bei: grasig, fruchtig und manchmal leicht pfeffrig.
- Tradition und Minimalverarbeitung: Einige Produzenten verzichten bewusst auf Filtration, um das Öl so naturbelassen wie möglich zu halten.
- Marketing: Naturtrübe Öle werden oft als hochwertig oder handwerklich präsentiert, was bei Verbrauchern beliebt ist.
Ungefiltert vs. gefiltert — die wichtigsten Unterschiede
Die Unterschiede betreffen vor allem Aussehen, Haltbarkeit, Geschmack und mögliche Nebenwirkungen:
- Aussehen: Ungefiltertes Olivenöl ist trüb; gefiltertes ist klar und glänzend.
- Geschmack: Ungefiltertes Öl wirkt oft intensiver und komplexer, weil flüchtige Aromen und Fruchtpartikel enthalten sind.
- Haltbarkeit: Gefiltertes Öl bleibt in der Regel länger stabil, weil Schwebstoffe und Restwasser entfernt wurden — Faktoren, die Oxidation und Gärung fördern können.
- Polyphenole und Nährstoffe: Manche Studien und Produzenten berichten, dass ungefiltertes Öl leicht höhere Mengen an Polyphenolen enthalten kann, weil ein Teil an den Schwebstoffen haftet. Der Unterschied ist jedoch meist moderat und hängt von Erntezeitpunkt, Olivensorte und Verarbeitung ab.
Ist olivenöl ungefiltert gesünder?
Ungefiltertes Olivenöl kann etwas mehr polyphenolreiche Bestandteile enthalten, die antioxidativ wirken. Das macht es potentiell vorteilhaft. Der Unterschied ist aber selten so groß, dass ungefiltertes Öl automatisch «gesünder» ist als hochwertiges, gefiltertes natives Olivenöl extra. Wichtiger als Filterung sind:
- Erntejahr und -datum (frischere Öle sind meist nährstoffreicher)
- Qualität (extra vergine vs. Lampant/raffiniert)
- Richtige Lagerung
Zum Braten geeignet?
Ein verbreiteter Mythos lautet: Ungefiltertes Olivenöl könne man nicht zum Braten verwenden. Fakt ist: Der Rauchpunkt von nativem Olivenöl hängt primär vom freien Fettsäuregehalt und der Raffination ab, nicht von der Filterung. Extra natives Olivenöl (ob gefiltert oder nicht) hat einen ähnlichen Rauchpunkt. Praktisch gilt:
- Für sanftes Braten, Sautieren oder dünne Pfannenrührgerichte ist naturtrübes Öl gut geeignet.
- Bei sehr hohen Temperaturen (kräftiges Frittieren) kann die in ungefiltertem Öl enthaltene Feuchtigkeit und Feststoffe zu stärkerer Schaumbildung oder schnellem Braunwerden führen. In solchen Fällen ist ein filtriertes oder raffiniertes Öl oft praktischer.
Lagerung und Haltbarkeit von ungefiltertem Olivenöl
Ungefiltertes Olivenöl ist empfindlicher gegenüber Oxidation und kann bei fehlerhafter Lagerung schneller an Qualität verlieren. Tipps zur richtigen Lagerung:
- Bewahren Sie das Öl in dunklen, luftdichten Flaschen (dunkles Glas, Edelstahl) auf.
- Lagertemperatur idealerweise 14–18 °C; direkte Sonneneinstrahlung vermeiden.
- Nach Anbruch innerhalb von 6–9 Monaten verbrauchen; gefilterte Öle halten oft 9–18 Monate, abhängig von Qualität und Lagerung.
- Im Kühlschrank wird das Öl trüb und dickflüssig — das ist reversible; vor Gebrauch wieder auf Zimmertemperatur bringen.
Wie erkennt man schlechtes oder vergorenes ungefiltertes Öl?
Ungefiltertes Öl kann bei übermäßigem Wasser- oder Schwebstoffanteil gären. Warnsignale:
- starker, stechender Essig- oder Gärgeruch
- schmeckt sauer oder „spritzig“ wie Essig
- sichtbare starke Schaumbildung oder fremde Ablagerungen
Bei diesen Zeichen das Öl entsorgen.
Tipps zum Kauf — worauf achten?
- Ernte- oder Abfülldatum: Frische ist wichtiger als der Filterzustand. Achten Sie auf das Erntejahr.
- Angabe „extra nativ“: Nur extra natives Öl garantiert die höchste Qualitätsstufe.
- Herkunft & Sorte: Single-Varietal-Angaben (z. B. Koroneiki, Picual) helfen, Geschmack und Intensität einzuschätzen.
- Dunkle Flasche: Schutz vor Licht reduziert Oxidation.
- Probieren: Kaufen Sie kleine Flaschen oder Muster, verkosten Sie Farbe, Geruch und Geschmack: frisch, fruchtig, leicht bitter und pfeffrig sind gute Zeichen.
Verwendungsempfehlungen in der Küche
- Als Finishing-Öl: Ungefiltertes Olivenöl entfaltet seine Aromen am besten roh — über Salaten, Gemüse, gegrilltem Brot (Bruschetta) oder zu Käse.
- Für Dressings und Marinaden: Ideal, da das intensive Aroma die Speisen trägt.
- Leichtes Anbraten: Geringere Hitze ist geeignet; für starkes Frittieren lieber ein anderes Öl.
Fazit
„Olivenöl ungefiltert“ ist eine geschmacklich reizvolle und meist sehr frische Variante von nativem Olivenöl extra. Es bietet oft intensivere Aromen und kann leicht höhere Mengen an gesundheitsfördernden Polyphenolen enthalten. Dafür ist es empfindlicher gegenüber Lagerfehlern und hat tendenziell eine kürzere Haltbarkeit. Ob ungefiltert oder gefiltert: Achten Sie auf das Erntejahr, die Qualitätsangabe „extra nativ“, die Flaschenqualität und richtige Lagerung. Für rohe Anwendungen und als Genussöl ist naturtrübes Olivenöl eine hervorragende Wahl — für sehr heiße Kochmethoden ist ein gefiltertes oder raffiniertes Öl meist praktischer.
Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen eine kurze Checkliste zum Ausdrucken schicken, die Sie beim Kauf von olivenöl ungefiltert verwenden können, oder ein schnelles Rezept, das die Frische eines naturtrüben Öls besonders gut zur Geltung bringt.
Weitere Beiträge
Walnussöl pressen: So gelingt es dir selbst zu Hause
vor 2 Monaten
Leinöl vs. Leindotteröl: Die wichtigsten Unterschiede in Geschmack, Haltbarkeit und Nährwert
vor 1 Monat
Leinöl oder Leindotteröl: Das gesunde Duell
vor 1 Monat
Raffiniertes Sonnenblumenöl: Vielseitig, hitzestabil und was Verbraucher wissen sollten
vor 2 Wochen